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Schwäbische Alb

Sehenswürdigkeiten auf der Schwäbischen Alb

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Kultur & Sagen

Schwäbische Sagen von Burgen und der Wimsener Höhle

Zu fast jeder Höhle, jedem Quelltopf und jeder Burgruine der Alb gehört eine Sage. Über Jahrhunderte wurden sie mündlich weitergegeben, im 19. Jahrhundert schrieben schwäbische Dichter sie auf – und die Orte, an denen sie spielen, liegen bis heute direkt an der Strecke.

Kloster Bebenhausen bei Tübingen
Kloster Bebenhausen bei Tübingen

Am bekanntesten ist die Sage von der Schönen Lau, die der Dichter Eduard Mörike in seiner „Historie von der schönen Lau" literarisch festgehalten hat. Am Blautopf in Blaubeuren lebte der Überlieferung nach eine Wasserfrau, eine Nixe von großer Schönheit. Ihr Gemahl, ein alter Donaufürst aus dem Schwarzen Meer, verbannte sie an die Blautopf-Quelle, weil sie ihm aus Schwermut nur tote Kinder gebar; erlöst werden konnte sie erst, wenn es ihr gelänge, fünfmal von Herzen zu lachen. Es waren schließlich die gutmütige Wirtin des nahen Gasthofs und ihre Leute, die der traurigen Wasserfrau das Lachen zurückgaben und den Bann lösten. Die Sage liefert die Erklärung für das tiefe Blau des Quelltopfs und gehört zum festen Erzählschatz der Region.

Um Schloss Lichtenstein rankt sich die romantische Erzählung, die Wilhelm Hauff 1826 in seinem historischen Roman „Lichtenstein – Romantische Sage aus der württembergischen Geschichte" verarbeitet hat. Der Roman verknüpft Geschichte und Sage rund um die württembergische Vergangenheit und machte den Ort über die Region hinaus berühmt – so sehr, dass er die Inspiration für den Neubau des heutigen Märchenschlosses lieferte. In Hauffs Erzählung dient die nahe gelegene Nebelhöhle dem flüchtenden Herzog Ulrich als Versteck und Zuflucht. Auf den Steigen rund um Lichtenstein und Sonnenbühl bewegt man sich heute also durch die literarische Kulisse eines der populärsten deutschen Romane des 19. Jahrhunderts.

Auch die Höhlen der Alb haben ihre Erzählungen. Die Tropfsteinhöhlen, die unter der Hochfläche verborgen liegen, galten der Überlieferung nach lange als geheimnisvolle, unheimliche Orte – Höhlen, in die sich Menschen flüchteten, in denen Schätze vermutet wurden und um die sich Schauergeschichten bildeten. Die Bärenhöhle verdankt ihren Namen den Knochenfunden von Höhlenbären, die in der Eiszeit hier lebten; aus solchen realen Funden speisten sich über Generationen volkstümliche Geschichten über die „Tiere im Berg". Mit diesen Erzählungen im Kopf sieht man die schwarzen Höhleneingänge am Wegesrand mit anderen Augen.

Sehenswert

Höhlen, Eiszeit & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Die Schwäbische Alb ist ein Kalkgebirge, durch das das Wasser über Jahrtausende ein weit verzweigtes Höhlensystem geschaffen hat. Für Motorradfahrer sind diese Höhlen mehr als eine Kuriosität: Sie sind überdachte, ganzjährig kühle Ausweichziele, wenn auf der Hochfläche Regen oder Nebel den Fahrspaß verderben. Und sie bergen Weltgeschichte.

Der bedeutendste kulturelle Schatz der Region ist das UNESCO-Welterbe Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb, das 2017 in die Welterbeliste aufgenommen wurde. Die Stätte umfasst sechs Höhlen in zwei Tälern: Hohle Fels, Geißenklösterle und Sirgenstein im Achtal sowie Hohlenstein, Vogelherd und Bockstein im Lonetal. In diesen schützenden Höhlen siedelten vor rund 43.000 Jahren während der letzten Eiszeit moderne Menschen und hinterließen die ältesten beweglichen Kunstwerke der Welt. Die Figürchen – überwiegend drei bis neun Zentimeter große Schnitzereien aus Mammutelfenbein – zeigen Tiere, menschliche Darstellungen wie die weltberühmte Venus vom Hohle Fels oder Mischwesen wie den Löwenmenschen aus dem Hohlenstein. Funde von Flöten aus Knochen und Elfenbein belegen zudem, dass hier schon in der Altsteinzeit Musik gemacht wurde. Diese Bedeutung für das Verständnis der Menschheitsgeschichte und der Entstehung der Kunst gilt als weltweit einzigartig.

Die Originalstücke liegen nicht in den Höhlen, sondern in den Museen der Region; das Vogelherd-Areal ist zusätzlich als archäologischer Park zugänglich. Schon ein Stopp an den Höhleneingängen im Lonetal und Achtal zeigt aber, wie geschützt und wie günstig über dem Talgrund diese Plätze liegen.

Für ein klassisches Tropfstein-Erlebnis bieten sich die Schauhöhlen Bärenhöhle und Nebelhöhle bei Sonnenbühl an. Beide sind erschlossen und beleuchtet; in der Bärenhöhle führt der Weg über mehr als 250 Meter an Tropfsteinen vorbei. Da die Höhlen Fledermäusen als Winterquartier dienen, sind sie von November bis einschließlich März für Besucher geschlossen und öffnen ab April wieder täglich – wer außerhalb der Saison auf der Alb unterwegs ist, sollte das einplanen. Eine geologische Besonderheit ist die Tiefenhöhle Laichingen, die einzige begehbare Schachthöhle Deutschlands; mit 90 Metern Tiefe und insgesamt rund 1.370 Metern Länge zählt sie zu den bedeutendsten Karsterscheinungen der Alb. Ein echtes Unikat ist die Wimsener Höhle (auch Friedrichshöhle) im Großen Lautertal: Sie ist die einzige Höhle Deutschlands, die mit dem Boot befahren werden kann; die Bootsfahrt endet nach rund 70 Metern, weil der Wasserspiegel dort die Höhlendecke erreicht.

Ergänzt wird das unterirdische Programm durch die Burgen und Schlösser, die sich ebenfalls als wetterfeste Ziele anbieten. Die Innenführungen von Schloss Lichtenstein, Burg Hohenzollern und Schloss Sigmaringen füllen einen grauen Tag, an dem die nassen Steigen ohnehin wenig Freude machen.

Sehenswert

Albtrauf, Wacholderheiden und Wasserfälle: Naturstopps am Weg

Die landschaftlichen Höhepunkte der Alb liegen oft nur wenige Meter abseits der Strecke – am Albtrauf, an den Quelltöpfen und auf den offenen Wacholderheiden. Wer diese Stopps einplant, fährt am Abend weniger Kilometer und hat mehr von der Region gesehen.

Der Albtrauf, die nördliche Abbruchkante der Hochfläche, bietet eine Kette von Aussichtspunkten mit weitem Blick über das Vorland. Von vielen Steigen-Auffahrten erreicht man in kurzer Distanz Felsvorsprünge und Aussichtsfelsen, von denen aus sich die Stufenlandschaft überblicken lässt. An klaren Tagen reicht der Blick weit ins Land, an dunstigen Tagen verschwimmen die Höhenzüge zu Schichten – beides hat seinen Reiz.

Höchster Punkt der Schwäbischen Alb ist der Lemberg mit 1.015,7 Metern über Normalhöhennull. Er liegt am Westrand der Alb, östlich von Rottweil bei der Gemeinde Gosheim im Landkreis Tuttlingen. Auf dem Gipfel steht der Lembergturm, ein 33 Meter hoher Stahlturm des Schwäbischen Albvereins mit einer Aussichtsplattform in 30 Metern Höhe, der über die Bäume hinweg an klaren Tagen bis zu den Alpen blicken lässt. Der Lemberg gehört zur „Region der Zehn Tausender" rund um Deilingen, Gosheim und Denkingen, wo auf engem Raum die zehn höchsten Berge der Alb beieinander stehen. Von hier führt der Weg hinunter in den „Schwäbischen Grand Canyon", das obere Donautal.

Typisch für die Hochfläche sind die Wacholderheiden – offene, von Schafen beweidete Magerrasen mit einzelnen dunklen Wacholderbüschen. Sie prägen vor allem das Große Lautertal und die Münsinger Alb und gehören zu den charakteristischen Landschaftsbildern der Region. Das Große Lautertal trägt den Beinamen „Perle der Schwäbischen Alb": Die Straße läuft zwischen Felswänden und Waldhängen am Fluss entlang, dazwischen liegen Wacholderheiden, Burgruinen und offene Wiesen. Es zählt zum UNESCO Global Geopark und zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb.

Am Wasser liegen der Blautopf in Blaubeuren und das obere Donautal rund um Sigmaringen, wo die junge Donau sich tief in den weißen Kalk gegraben hat und schroffe Felswände aus dem Talgrund aufragen. In beiden Tälern steht die Straße über weite Strecken im Schatten – an heißen Tagen der angenehmste Teil einer Runde.

Anatomie einer Steige

Eine Steige ist keine Passstraße. Sie führt nicht über einen Kamm und wieder hinunter, sondern nur in eine Richtung: vom Vorland auf das Plateau. Damit hat sie ein Profil, das es in den Alpen so nicht gibt — der gesamte Höhenunterschied wird auf wenigen Kilometern abgearbeitet, und danach ist Schluss mit dem Klettern. Was folgt, ist flaches Hochland.

Fahrerisch macht das den Reiz aus. Weil der Platz zwischen Talboden und Albkante knapp ist, sind die Kehren eng und liegen dicht hintereinander. Zwischen zwei Haarnadeln bleiben oft nur ein paar hundert Meter Zwischenstück, meist im Wald, meist ohne Sicht über die nächste Kurve hinaus. Der Rhythmus wird dadurch kurz und stakkatohaft: aufrichten, bremsen, einlenken, Gas, und schon steht die nächste Kehre an. Bleibt man im zweiten Gang, fährt sich eine Steige meist flüssiger als mit zwischenzeitlichem Hochschalten.

Das anspruchsvollere Stück ist die Abfahrt. Bergauf trägt der Zug des Motors die Fuhre durch die Kehren; bergab arbeitet über mehrere Kilometer konstantes Gefälle gegen die Bremsen, und bei schwerem Tourer mit Gepäck und Sozia macht sich das nach der vierten Haarnadel bemerkbar. Motorbremse nutzen, früh und kurz verzögern statt lang schleifen — das ist auf den Albsteigen mehr als eine Fahrschulweisheit.

Für die Tourenplanung: Eine Albrunde besteht selten aus einer einzelnen Steige. Der übliche Schnitt ist eine Auffahrt im Westen, ein längeres Stück über die Hochfläche und eine andere Abfahrt zurück ins Vorland. Die Steigen sind das Salz, nicht die Hauptspeise — wer zehn davon hintereinanderhängt, hat am Abend viel gebremst und wenig gesehen.

Plateau, Kante und der Kalk darunter

Die Alb ist eine Schichtstufe: harter Weißjura-Kalk liegt auf weicherem Untergrund, und dort wo diese Auflage endet, bricht das Gelände ab. Diese Kante ist nicht stabil. Rutschungen und Felsstürze nagen sie seit Jahrtausenden zurück, und die abgetrennten Reste stehen heute als einzelne Berge im Vorland — die drei Kaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen bei Göppingen sind die bekanntesten dieser Zeugenberge, die Achalm über Reutlingen ein weiterer. Fürs Fahren sind sie nützliche Fixpunkte: Solange man sie zur Seite hat, ist man noch unten.

Vulkanschlote im Trauf

Zwischen Kirchheim, Bad Urach und Metzingen ist die Kante zusätzlich von mehreren hundert erloschenen Vulkanschloten durchsetzt, dem Schwäbischen Vulkangebiet. Sichtbar wird das an rundlichen Kuppen und Senken wie dem Randecker Maar — ein ausgeräumter Vulkankessel, der sich zum Vorland öffnet. Die Straßen dort winden sich um Formen, die keine Kalkgeologie erklärt.

Wasser, das verschwindet

Oben auf der Hochfläche fehlt, was Motorradreviere sonst gliedert: Bäche. Der Kalk ist klüftig, Niederschlag versickert sofort, und die Täler liegen trocken. Das Wental auf dem Albuch zwischen Bartholomä und Steinheim ist das anschaulichste Beispiel — ein breites Tal mit Dolomitfelsen im Grund, aber ohne Fluss. Das Lonetal im Osten führt ebenfalls über weite Strecken kein Wasser. In den Dörfern der Hochfläche wurden deshalb künstliche Teiche angelegt, die Hülen, weil sich Vieh sonst nicht tränken ließ; ein Ort trägt den Namen bis heute.

Das Wasser ist nicht weg, es läuft nur eine Etage tiefer. Es hat Höhlen ausgeräumt — die Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten wird bis heute von einem aktiven Höhlenbach durchflossen — und kommt am Rand der Alb in Quellen wieder heraus. Wo es kalkgesättigt über eine Stufe fällt, baut es Gestein statt es abzutragen: Der Uracher Wasserfall stürzt über eine Kalktuffkante, die aus genau diesem Prozess entstanden ist und langsam weiterwächst. Auf der Hochfläche selbst sind runde Senken in Äckern und Wiesen die Signatur des Systems, Dolinen über eingestürzten Hohlräumen.

Zwischen Felswänden an der jungen Donau

Der Süden bricht das Muster. Zwischen Tuttlingen und Sigmaringen hat sich die Donau quer durch das Kalkmassiv gesägt, und die Straße hat dort keine Wahl — sie folgt dem Flussbogen, wechselt mit ihm die Talseite und liegt zwischen Wänden, die senkrecht aus dem Grund stehen. Das Fahren ist ein anderes als oben: lange, gleichmäßig gezogene Bögen, wenig Höhenwechsel, dafür ständiger Schattenwurf. Nach Regen bleiben die nordseitigen Abschnitte lange klamm, und im Hochsommer ist das Tal die kühlste Strecke der Region.

Kurioserweise ist der Fluss hier zeitweise gar nicht da. Zwischen Immendingen und Fridingen versickert die Donau an vielen Tagen im Jahr vollständig im Karst; das Wasser tritt am Aachtopf wieder aus und fließt über den Bodensee zum Rhein. An einem trockenen Spätsommertag sieht man am Flussbett Kies.

Die Aussicht auf das Ganze bekommt man nicht von der Talstraße, sondern von der Kante darüber — etwa vom Knopfmacherfelsen bei Fridingen, wo der Blick die Schleifen des Tals von oben überspannt. Unten liegen die Erzabtei Beuron und, auf Felsvorsprüngen darüber, Schloss Werenwag und die Burg Wildenstein. Ein Hinweis zur Praxis: Das Donautal ist eine der stärksten Radrouten Süddeutschlands. Die Talstraße ist schmal, unübersichtlich und an Sommerwochenenden voll mit Radfahrern — Überholen braucht dort mehr Platz, als die Kurve meist hergibt.

Burgen als Marken im Gelände

Auf der Alb hat der Blick nach oben navigatorischen Wert. Weil das Plateau flach und die Trauflinie lang ist, sind es die Burgen und Ruinen auf den vorspringenden Felsköpfen, die einem sagen, wo man gerade ist. Hohenzollern über dem Zollernalb-Vorland und Lichtenstein über dem Echaztal sind aus vielen Kilometern Entfernung als Silhouette erkennbar; die Ruine Hohenneuffen über Neuffen, eine der größten Burgruinen Süddeutschlands, markiert den mittleren Trauf ebenso eindeutig wie die wiederaufgebaute Burg Teck über Owen oder Hohenurach über Bad Urach.

Am eindrucksvollsten steht der Reußenstein bei Neidlingen: eine Ruine direkt auf der Traufkante, von unten aus dem Tal als Zacken im Fels sichtbar, von oben in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Die Regel dahinter ist simpel — wo eine Burg steht, springt der Fels vor, und wo der Fels vorspringt, liegt der Aussichtspunkt. Wer sich beim Planen an diesen Punkten orientiert statt an Ortsnamen, bekommt fast automatisch eine Route mit Panoramastopps, denn die Burgen sitzen dort, wo im Mittelalter die Sicht zählte. Ein zweites Muster gilt im Süden: Über dem Donautal stehen die Anlagen nicht an einer Kante, sondern über einer Schleife — die Kontrolle galt dem Fluss, nicht der Ebene.

Der Meteoritenkrater am Ostrand

Rollt man die Alb nach Nordosten aus, endet sie nicht in einem Trauf, sondern in einem Loch. Das Nördlinger Ries ist ein rund 24 Kilometer breiter Einschlagkrater, entstanden vor etwa 15 Millionen Jahren, als ein Asteroid die Jura-Platte zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb durchschlug. Übrig blieb eine kreisrunde, auffällig flache Ebene, umgeben von einem Kraterrand, der beim Anfahren als deutlich wahrnehmbare Stufe im Gelände liegt.

Fahrerisch ist das ein scharfer Kontrast: Nach Stunden auf welligem Kalkhochland folgen lange, gerade Verbindungen über Ackerland ohne nennenswerte Steigung, dafür mit spürbarem Wind. Der Reiz liegt weniger in der Kurve als im Zusammenhang. In Nördlingen, das mitten im Krater liegt, ist die Stadtmauer vollständig erhalten und rundum begehbar, und der Kirchturm der Stadt besteht aus Suevit — Gestein, das beim Einschlag aus geschmolzenem und zertrümmertem Material zusammengebacken wurde. Ein Museum in der Stadt ordnet den Befund ein; die Apollo-Astronauten übten hier 1970 im Gelände, bevor sie zum Mond flogen.

Der zweite Krater desselben Ereignisses liegt näher an der Alb: das Steinheimer Becken bei Steinheim am Albuch, mit knapp vier Kilometern Durchmesser deutlich kleiner, aber als Kessel mit zentralem Hügel klar zu erkennen. Beide zusammen lassen sich an einem Tag mit dem Wental und dem östlichen Albuch verbinden — der Teil der Alb, den Tourenplaner am häufigsten überspringen.

Ballungsraum vor der Haustür

Kein anderes deutsches Kurvenrevier liegt so dicht an einer Großstadtregion. Stuttgart, Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Göppingen reihen sich unmittelbar am Fuß des Traufs, Ulm liegt am Ostende. Für Fahrer aus dem Neckarraum ist die Alb eine Feierabendrunde und keine Reise — und das prägt die Region stärker als jede Landschaftsbeschreibung.

Die praktischen Folgen sind bekannt: An sonnigen Sonntagen zwischen dem späten Vormittag und dem Nachmittag ist auf den bekannten Steigen und an den Aussichtspunkten am Trauf Hochbetrieb, die Wanderparkplätze sind belegt, und hinter jedem Ausflugsverkehr steckt ein Wohnmobil, das die Kehre langsamer nimmt als geplant. Dazu kommt: Die Steigen sind zugleich Pendlerachsen. Freitags gegen 17 Uhr teilt man sich eine Auffahrt mit dem Berufsverkehr.

Drei Konsequenzen für die Planung. Erstens: früh. Vor neun Uhr gehören die Traufstraßen praktisch niemandem, und der Belag ist im Sommer bereits trocken. Zweitens: nach Osten ausweichen. Albuch, Härtsfeld und der Raum zum Ries hin sind touristisch weit weniger frequentiert als die Trauflinie zwischen Kirchheim und Balingen, bei ähnlichem Streckenangebot. Drittens: leise. Die Steigen führen mitten durch Wohnorte, in denen jeder Lastwechsel an der Hauswand ankommt; die Debatte um Motorradlärm wird in Baden-Württemberg seit Jahren geführt, und die Alb steht dabei regelmäßig im Fokus. Ein zurückhaltend gefahrener Ortsdurchgang kostet zehn Sekunden und ist das wirksamste Mittel, damit die Strecken offen bleiben.

Lichtenstein, Hohenzollern und der Blautopf: die Ziele auf der Alb

Auf der Alb liegen die Ziele dicht am Streckenverlauf: Die Schlösser stehen auf den Felsköpfen über den Steigen, Tropfsteinhöhlen und Quelltöpfe wenige Kurven abseits der Hauptrouten. Die folgenden Ziele lassen sich zu Tagesrunden verbinden – mit kurzen Hinweisen zu Streckenbezug und Parken.

Schloss Lichtenstein ist das Wahrzeichen der Region. Es steht auf einem freistehenden Kalkfelsen am Albtrauf oberhalb des Echaztals, rund zehn Kilometer südlich von Reutlingen bei der Gemeinde Lichtenstein. Das heutige Schloss wurde 1840 bis 1842 errichtet, inspiriert von Wilhelm Hauffs Roman Lichtenstein von 1826, und gilt als „Märchenschloss Württembergs". Anschrift: Schloss Lichtenstein 1, 72805 Lichtenstein. Streckenbezug: Über die Honauer Steige bzw. die B312 von Honau hinauf passiert man das Schloss direkt. Am Schloss gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz mit Gastronomie, Kiosk und Toiletten – ideal für eine längere Pause.

Burg Hohenzollern erhebt sich südwestlich davon auf dem 855 Meter hohen Zollerberg über Hechingen und gehört zur Gemeinde Bisingen. Die heutige Burg wurde zwischen 1850 und 1867 unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. als monumentales Familiendenkmal neu erbaut; sie war Stammsitz des preußischen Königshauses und des Fürstengeschlechts der Hohenzollern. Anschrift: Burg Hohenzollern, 72379 Hechingen. Vom Besucherparkplatz am Fuß des Bergs verkehren Shuttlebusse hinauf zur Burg – Motorräder stellt man unten ab, der letzte steile Anstieg wird per Bus oder zu Fuß bewältigt.

Der Blautopf in Blaubeuren ist die bekannteste Karstquelle der Alb: ein leuchtend blau schimmernder Quelltopf von rund 21 Metern Tiefe, direkt neben dem mittelalterlichen Klosterensemble. Blaubeuren liegt am Südrand der Alb nahe Ulm, gut erreichbar über die B28. Vom Ortsparkplatz sind es nur wenige Schritte ans Wasser, und bei hohem Sonnenstand steht das Blau am intensivsten – ein Stopp, der sich für die Mittagszeit anbietet.

Schloss Sigmaringen markiert den Südrand der Alb und ist das größte der Schlösser im Donautal. Das Hohenzollernschloss erhebt sich auf einem steil aufragenden Kalkfelsen hoch über der jungen Donau; der Felsrücken, auf dem es steht, ist rund 200 Meter lang und 35 Meter hoch. Seit 1535 ist es im Besitz der Fürsten von Hohenzollern. Zu den Höhepunkten gehört die fürstliche Waffenhalle mit rund 3.000 Exponaten, eine der größten Sammlungen ihrer Art in Europa. Die Anfahrt läuft über die B463 durch das obere Donautal und ist der landschaftlich stärkste Zubringer der ganzen Region.

Der Uracher Wasserfall bei Bad Urach stürzt aus rund 37 Metern Höhe über eine Kalktuffkante ins Tal. Er zählt zu den besonderen Attraktionen des UNESCO Global Geoparks und des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Erreichbar ist er vom Wanderparkplatz Maisental (P23) bei Bad Urach; von dort führt ein etwa zwei Kilometer langer, asphaltierter und sogar kinderwagentauglicher Weg entlang des Brühlbachs zum Fall. Bad Urach selbst liegt an der B465 und taugt als Start- oder Pausenort für die mittlere Alb.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Burg Hohenzollern über dem Albtrauf

Burg Hohenzollern

Die Stammburg der Hohenzollern thront frei auf einem einzeln stehenden Kegelberg über dem Albvorland und ist eines der meistfotografierten Motive Süddeutschlands. Vom Berg reicht der Blick weit über die Zollernalb.

Anfahrt
Über die B27 bei Hechingen/Bisingen, dann die ausgeschilderte Bergstraße hinauf zum Besucherparkplatz am Fuß des Zollerbergs.
Motorrad-Parken
Großer Besucherparkplatz am Bergfuß; Motorräder dort abstellen. Von dort kostenloser Zubringerbus zum Adlertor (etwa alle 15 Minuten) oder rund 350 m Fußweg bergauf, teils über Kopfsteinpflaster.
Öffnungszeiten
Hauptsaison (Ende März bis Anfang November) täglich 10-18:30 Uhr, letzter Einlass aufs Gelände 17 Uhr; im Winter mit verkürzten Zeiten.
Höhe/Aussicht
855 m; Rundblick über das Vorland und die Zollernalb

Schloss Lichtenstein

Das neugotische 'Märchenschloss Württembergs' steht auf einem vorspringenden Felsen des Albtraufs, rund 250 Meter über dem Echaztal. Angeregt durch Wilhelm Hauffs Roman von 1826, ab 1840 erbaut.

Anfahrt
Direkt an der B312 (Honauer Steige) zwischen Honau und der Albhochfläche, oberhalb von Lichtenstein-Honau im Landkreis Reutlingen.
Motorrad-Parken
Ausgewiesener Besucherparkplatz unterhalb des Schlosses, wenige Gehminuten zum Eingang; Motorradstellplätze am Parkplatz.
Öffnungszeiten
April bis Oktober täglich ca. 9-18 Uhr; März sowie November/Dezember 10-16 Uhr; Januar und Februar geschlossen. Innenräume nur mit Führung, der Schlosshof ist zugänglich.
Höhe/Aussicht
817 m, exponierte Felslage am Albtrauf mit Blick ins Echaztal

Uracher Wasserfall

Ein 37 Meter frei stürzender Kalktuff-Wasserfall im Maisental, der darunter über eine moosüberwachsene Sinterstufe weiterläuft. Einer der bekanntesten Foto-Stopps der mittleren Alb, gut mit einer kurzen Wanderung zu verbinden.

Anfahrt
Ab Bad Urach ins Maisental, ein Seitental der Erms, rund 2 km südwestlich der Stadt.
Motorrad-Parken
Wanderparkplatz im Maisental; der Fall selbst ist nur zu Fuß erreichbar, Motorräder bleiben am Talparkplatz.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
37 m freier Fall; über einen Steig ist der Aufstieg auf die Hochfläche möglich

Lochenstein und Lochenpass

Der Lochenstein ist einer der eindrucksvollsten Aussichtsfelsen der Zollernalb, mit Gipfelkreuz und weitem Blick über das Vorland. Die Passstraße hinauf gilt als beliebte Motorradstrecke.

Anfahrt
Über die L440 von Balingen zum Lochenpass; Weilstetten liegt am Fuß des Anstiegs.
Motorrad-Parken
Parkplatz an der Passhöhe; Motorräder dort abstellen, dann rund 20 Minuten steiler Fußweg zum Gipfelfels.
Öffnungszeiten
frei zugänglich; der Westteil des Gipfelfelsens ist seit 2017 aus Artenschutzgründen gesperrt, der Ostteil begehbar.
Höhe/Aussicht
Gipfel 963,6 m, Passhöhe 890 m; Rundblick über die Balinger Berge und das Albvorland

Blautopf Blaubeuren

Die tiefblaue Karstquelle am Rand von Blaubeuren ist der Ursprung der Blau und einer der markantesten Foto-Stopps der Alb. Das Becken ist rund 40 Meter breit und 21 Meter tief; die blaue Farbe entsteht durch die Lichtstreuung im tiefen Wasser.

Anfahrt
In Blaubeuren, rund 16 km westlich von Ulm; über die B28 von Ulm oder Bad Urach ins Blautal.
Motorrad-Parken
Ortsparkplätze in Blaubeuren, von dort kurzer Fußweg zum Quelltopf; Motorräder in der Innenstadt.
Öffnungszeiten
Das Quelltopf-Becken liegt im Freien und ist zugänglich; wegen Umbauarbeiten (bis 2028) derzeit über zwei Behelfsbrücken erreichbar (seit Januar 2025).

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