
Deutschlandtour – Von Nord nach Süd
Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.
Schwäbische Alb
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.

Bei Motorradfahrern dürften die Täler von Tauber, Kocher und Jagst nicht ganz so bekannt sein. Schade eigentlich, denn hier kann man ganz einfach wundervoll Motorrad fahren und das Leben bestens genießen.

Man sagt Schwaben oft eine gewisse Sparsamkeit nach. Allerdings bleibt festzuhalten, dass die Schwäbische Alb mit seinen landschaftlichen, sowie kurventechnischen Reizen keineswegs geizt.

Diese Kurventour durch Welzheimer Wald und über ein paar Höhen der Schwäbischen Alb führt durch den himmlischen Bombenkrater, bekannter als Nördlinger Ries, vorbei, der eine fast kreisrunde Senke mit einem Durchmesser von etwa 25…

Es gibt sie also doch noch, jene Motorradparadiese, die mitten in Deutschland ein wenig im Dornröschenschlaf schlummern.

Die Hohenlohe, auch als Schwäbische Toskana bekannt, liegt mitten zwischen Nord-Schwarzwald, Odenwald sowie Schwäbischer Alb. Tief eingeschnittene, romantische Flusstäler sowie historische Städte mit Burgen, Schlössern, Klöstern und…
Die Steigen bündeln sich dort, wo Seitentäler und enge Klingen den Albtrauf einschneiden — nur an diesen wenigen Kerben lässt sich die Steilstufe überhaupt sinnvoll überwinden. Viele Auffahrten folgen deshalb alten Handels- und Fuhrwegen, die schon vor der Motorisierung die günstigste Linie durch den Fels suchten. Für den Fahrer heißt das enge Radien im unteren Drittel, oft im Wald oder zwischen Felsbändern, ehe die Kurven weiter werden.

Die anspruchsvollere Richtung ist bergab. Was hinauf ein zügiges Kurvenspiel ist, wird auf dem Rückweg zum langen, gleichmäßigen Gefälle — hier zählt dosiertes Bremsen und der Blick weit voraus, statt spät und hart am Kurveneingang zu verzögern. Der Motor darf mitbremsen; wer allein die Bremse arbeiten lässt, kassiert auf den längeren Steigen unnötiges Fading.
Weil der Trauf nach Nordwesten zeigt, liegen die unteren Abschnitte lange im Schatten. Der Belag trocknet dort spät, im Herbst sammelt sich nasses Laub in den Kehren, und an dunstigen Morgen hängt Nebel an der Kante, während das Vorland schon in der Sonne liegt. Die ersten Kurven einer Steige fährt man deshalb besser defensiv an — kalte Reifen und klammer Asphalt vertragen keine frühe Schräglage. Über die bekannten Aufstiege hinaus lohnen die Steigen bei Bad Urach, im Lenninger Tal oder bei Wiesensteig am Fuß des Drackensteiner Hangs — jede mit eigenem Charakter, alle nach demselben Prinzip trassiert.
Ganz im Nordosten verlässt man die schroffe Alb und rollt in eine Landschaft, wie es sie in Mitteleuropa kein zweites Mal gibt: das Nördlinger Ries, entstanden durch den Einschlag eines Asteroiden. Auf dem Motorrad erlebt man es als plötzliches Öffnen des Geländes — die Hochfläche sinkt ab, und vor einem liegt eine weite, fast kreisrunde Senke mit ungewöhnlich flachem, fruchtbarem Boden.
Der Krater gibt die Streckenführung vor. Über den ebenen Kraterboden ziehen schnelle, weit einsehbare Landstraßen zwischen den Feldern, während der Riesrand als niedriger, geschlossener Hügelkranz die Senke fast vollständig umschließt. Wer mag, umrundet den Kessel außen herum und hat die Ebene ständig unter sich; die Übergänge zurück auf die Alb fallen hier sanft aus, nicht steil wie am Trauf im Westen.
In der Mitte liegt Nördlingen. Der Turm der Stadtkirche, der „Daniel", ist aus Suevit gemauert — jenem Gestein, das die Wucht des Einschlags aus zertrümmertem Fels zusammenbackte. Wer die Geschichte dahinter verstehen will, findet sie im RiesKraterMuseum; die Landschaft war so aufschlussreich, dass hier Anfang der 1970er-Jahre sogar Apollo-Astronauten Einschlaggeologie übten, bevor sie zum Mond flogen. Ein Stopp, der einen banalen Tankhalt in etwas Erzählenswertes verwandelt.
Der Albtrauf ist nicht nur der Ort der Steigen, sondern selbst eine Fahrlinie. Wo Straßen oben dicht an der Abbruchkante entlangführen, liegen Kurve und Aussicht unmittelbar nebeneinander — auf der einen Seite die Leitplanke, auf der anderen der freie Blick über das ganze Vorland. An klaren Tagen reicht die Sicht weit über das Albvorland hinaus, und genau dieser Kontrast aus geführter Kurve und offener Weite macht die Kantenstrecken so eigen.
Lohnende Kanten-Ziele sind über den ganzen Trauf verteilt: der Roßberg über Gönningen mit seinem Aussichtsturm, der Breitenstein bei Ochsenwang hoch über dem Lenninger Tal und die Ruine Hohenneuffen, die frei auf ihrem Felskopf steht. Sie alle taugen als Wendepunkt oder Pausenstopp mit einem Panorama, das man sonst nur zu Fuß bekäme.
Ein Wort zur Vorsicht: Gerade weil die Aussicht so zieht, sind diese Strecken an schönen Wochenenden gut besucht — Wanderer an den Parkbuchten, Radfahrer auf der Fahrbahn, gelegentlich Splitt auf den Zufahrten und, an den bekannten Kurvenkanten, auch mal eine Kontrolle. Die Traufstraßen belohnen flüssiges, vorausschauendes Fahren mehr als den späten Anbremspunkt. Der Reiz liegt ohnehin im Blick, nicht in der Rundenzeit.
Kombiniert man die fünf Runden zu einer Woche, sind die großen Themen der Alb abgedeckt: die Märchenschlösser, die Steigen, die Höhlen, die Wacholderheiden und das Donautal. Zwischen den Touren bleibt genug Spielraum, einzelne Ziele zu vertiefen oder bei schlechtem Wetter auf die überdachten Stopps auszuweichen.
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